Hier im Blog möchte ich über die grossen Fotografen schreiben, welche die Bildsprache der Geschichte geprägt haben. Diesmal möchte ich es nicht versäumen über den bekannten Schweizer Fotografen Rene Burri zu schreiben. Vor rund drei Jahren stelle Fotograf Burri seine Werke der letzten 50 Jahre im Museum für Gestaltung Zürich aus, darunter Portrait bekannter Persönlichkeiten, wie z.B. dem Kubanischen Revolutionführer Che Guevara.
Fotograf Rene Burri
René Burri gilt als Kosmopolit, als «klassischer» Vertreter einer Reportage-fotografie, bei der das Reisen und Erzählen, Ausschwärmen und Berichten per Definition zusammenge-hören. Ein Image, das gern vergessen macht, dass René Burris fotografische Wurzeln auf zweierlei Weise in Zürich zu finden sind. An der Kunstgewerbeschule bei Hans Finsler und Alfred Willimann hat er sich zum einen (zwischen 1950 und 1953) die Grundlagen einer an den idealen neusachlicher Fotografie orientierten Kamerapraxis erworben. Zugleich hat er hier erstmals versucht, sich von der Starre der Finsler’schen Ästhetik zu lösen und (im Geist einer «Photographie Humaniste») zu einem spontaneren, journalistischeren Zugriff auf die Welt zu finden. Speziell ein von René Burri mit der Filmkamera begleiteter Schulbesuch von Edward Steichen (auf der Suche nach «Live»-Fotografien für seine geplante Ausstellung «The Family of Man») soll 1953 befreiend gewirkt und die Finsler-Klasse ermutigt haben, nun ihrerseits vermehrt auf den Strassen Zürichs Belege für eine «Condition Humaine» zu finden. Motive wie die «Frau vom Bellevue-Platz» oder die Serie «Unfall Ackerstrasse» sind frühe, zugleich herausragende Beispiele für eine unübersehbar auch Fragen formaler Natur umkreisenden «Street Photography».
Das querformatige Porträt eines selbstbewusst blickenden Che Guevara ist mit Sicherheit René Burris bekanntestes Bild – eine «Ikone» der Fotografie im 20. Jahrhundert mit weltweiter Verbreitung. Die Aufnahme ist Teil einer grösseren Kuba-Reportage, die der Fotograf im Januar 1963 im Auftrag der amerikanischen Illustrierten Look (gemeinsam mit der Journalistin Laura Berquist) erarbeitet hat. Ein Interviewtermin in Che Guevaras Industrieministerium in Havanna gab Gelegenheit für eine beachtliche Porträtserie, die auch einen nachdenklichen, müden, lachenden oder verschmitzten Che Guevara zeigt. Den Weg in unser kollektives Gedächtnis freilich hat allein das Brustbild des stolzen Revolutionärs gefunden: Erstmals abgedruckt in Look am 9. April 1963 – allerdings nur klein reproduziert, stark beschnitten und ganz am Ende der mehrseitigen Reportage aufgeführt. In der Folge haben Plakate, Postkarten, T-Shirts, Seifen, Weinetiketten, selbst Kondome oder Uhren (nicht immer unter Einhaltung des Copyrights) dem Bild zu globaler Aufmerksamkeit verholfen und es (neben Alberto Kordas in der Regel grafisch umgesetztem Foto) zur absoluten «Che-Devotionalie» werden lassen.
Che Guevara, Kuba, 1963, © René Burri / Magnum Photos
Link: Rene Burri @ Fotostiftung Schweiz, http://www.fotostiftung.ch/index.php?id=111